SPD-Vorsitzende Saskia Esken im Gespräch mit der heimischen Wirtschaft

Mit Ausbildung, Fortbildung und Zuwanderung gegen den Fachkräftemangel

Die Zahl der unbesetzten Stellen steigt auch im Kreis Unna. Der Fachkräftemangel brennt den Unternehmen unter den Nägeln. Beim Gespräch heimischer Wirtschaftsvertreter mit der Bundesvorsitzenden der SPD, Saskia Esken, war er das zentrale Thema. Einig waren sich alle Beteiligten: Die eine Lösung gibt es nicht. Hier hilft nur ein Kanon vieler Maßnahmen. Vor allem die Attraktivität der dualen Ausbildung für junge Menschen sowie Fortbildungsangebote gelte es zu stärken. Aber auch: Ohne qualifizierte Zuwanderung geht es nicht.

Informationen aus erster Hand und ungefilterte Stimmungslage: Das Treffen mit Vertretern aus Handwerkskammer, Kreishandwerkerschaft sowie Industrie- und Handelskammer, das auf Einladung von IHK-Vizepräsident Andreas Tracz in den Räumen seines Unternehmens K & K Networks GmbH stattfand, ermöglichte einen vertieften fachlichen Austausch im kleinen Kreis mit der Spitzenpolitikerin. Später plauderte Saskia Esken auf dem Roten Sofa im Amt 31 vor rund 70 Gästen mit dem SPD-Unterbezirksvorsitzenden Maik Luhmann öffentlich über Politisches und Privates. Auch hier ging es um die Fachkräftelücke, die sich weiter zu vergrößern droht, wenn die Babyboomer-Generation in den Ruhestand eintritt. Ein zentrales Anliegen der dreifachen Mutter, die selbst einst ihren Beruf als Software-Entwicklerin aufgab: Die Frauenerwerbsquote muss wachsen, indem zum Beispiel Kita- und OGS-Plätze weiter ausgebaut werden. „Es gibt so viele Frauen mit tollen Abschlüssen. Aber viel zu viele von ihnen stecken immer noch der Familie zuliebe beruflich zurück und fehlen schmerzlich auf dem Arbeitsmarkt.“

Auch für die heimischen Wirtschaftsvertreter ist das eine Stellschraube, an der gedreht werden muss, um dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen. Vor allem geht es ihnen aber darum, der dualen Ausbildung angesichts des herrschenden Drangs zum Studium wieder zu mehr Anerkennung zu verhelfen. Gero Brandenburg (Geschäftsführung IHK Dortmund), Henrik Himpe (stv. Hauptgeschäftsführer Handwerkskammer Dortmund), Lutz Westermann (stv. Geschäftsführer Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe) und Matthias Muermann (Leiter Innungsservice) waren sich in diesem Punkt einig: Notwendig sind eine bessere Beratung zu den Chancen beruflicher Bildung, eine wertschätzende Vermittlung praktischer Arbeit schon in der Schule und die gezielte Ansprache von Studienabbrechern. Sonst schade der Fachkräftemangel nicht nur den Betrieben, sondern auch der Energiewende, dem Infrastrukturausbau, der allgemeinen Daseinsfürsorge und damit der ganzen Gesellschaft.

Ein konkreter Wunsch aus den Reihen der Wirtschaftsvertreter: die gezielte Förderung von Menschen mit Migrationsgeschichte in der Ausbildung. „Da gibt es viele engagierte junge Leute mit tollem fachlichem Können. Aber sie scheitern an sprachlichen Problemen in der Berufsschule.“ Und: Grundsätzlich biete die qualifizierte Zuwanderung aus dem Ausland wertvolles Potenzial – sowohl mit Blick auf ausgebildete Fachkräfte als auch angehende Azubis. „Wir müssen uns hier anstrengen und besser werden. Andere Länder werben ebenfalls um Fachkräfte“, so die Mahnung aus Handwerk und Industrie. Dabei zwingend notwendig sei Bürokratieabbau, zum Beispiel wenn es um die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen gehe. Hier sicherte Saskia Esken zu: Mit dem neuen Gesetz zur Weiterentwicklung der Fachkräfteeinwanderung seien die Weichen für die Zukunft richtiggestellt. Gleichzeitig schaffe das neue Gesetz zur Stärkung der Aus- und Weiterbildungsförderung die richtigen Rahmenbedingungen für eine Qualifizierung aller erwerbsfähigen Menschen in Deutschland.

Nachholbedarf besteht aus Sicht aller Teilnehmer auch bei den digitalen Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung sowie bei der digitalen Innovationsfähigkeit der Unternehmen.