Am Morgen nach der Nacht des Mauerfalls vor 30 Jahren stand Willy Brandt vor dem Rathaus in Berlin Schöneberg und sagte in seiner Rede:

  • „Das deutsche Elend begann mit dem terroristischen Nazi-Regime und dem von ihm entfesselten schrecklichen Krieg. Jenem schrecklichen Krieg, der Berlin wie so viele andere deutsche und nicht-deutsche Städte in Trümmerwüsten verwandelte. Aus dem Krieg und aus der Veruneinigung der Siegermächte erwuchs die Spaltung Europas, Deutschlands, in Berlin reproduziert auf mehrfache Weise. Und jetzt erleben wir, und das ist etwas Großes – und ich bin dem Herrgott dankbar dafür, dass ich dies miterleben darf – wir erleben, dass die Teile Europas wieder zusammenwachsen.“

Der Fall der Mauer vor dreißig Jahren war ein Anfang, so hat er es gesehen:

  • „Dies ist ein schöner Tag nach einem langen Weg, aber wir befinden uns erst an einer Zwischenstation. Wir sind noch nicht am Ende des Weges angelangt. Es liegt noch ’ne ganze Menge vor uns.“

Die Spaltung des Landes ist auch nach dreißig Jahren nicht überwunden und bleibt eine echte Herausforderung.

Vor allem: Sie hat sich verlagert. Aus der Spaltung durch die Systeme, verkörpert durch waffenstarrende Grenzen mitten durch Europa, ist die Spaltung im Inneren geworden. Auf der einen Seite der herzlich offene Einsatz für die Zukunft, für und mit den deutschen, fremden europäischen Nachbarn. Auf der anderen Seite das verengte Pochen der Zornesadern mit dem Blick auf eine Vergangenheit, die es nie gab, auf den inneren und äußeren Feind der eigenen Identität. 

Die Sozialdemokratie, auch die Genossinnen und Genossen in unserem Unterbezirk Unna, denken über Grenzen hinaus, handeln über Grenzen hinaus. Deutschlands Zukunft liegt mitten in einem zusammenwachsenden Europa. 

So endete auch Willy Brandt seine Rede:

  • „Die Bereitschaft nicht zum erhobenen Zeigefinger, sondern zur Solidarität, zum Ausgleich, zum neuen Beginn, wird auf die eigentliche Probe gestellt. Es gilt jetzt, neu zusammenzurücken, den Kopf klar zu behalten, und das so gut wie möglich zu tun, was unseren deutschen Interessen ebenso entspricht wie unserer Pflicht gegenüber unserem europäischen Kontinent.“

Der Mauerfall erinnert an die Freude der neuen Chancen – aber auch an die Verpflichtung zum Kampf gegen jede neue und alte Form radikaler und totalitärer Nationalisten, gegen jeden Faschismus. Auf der Straße und in den Parlamenten. Vor allem aber in den Köpfen und Herzen derer, denen wir ein Volk von guten Nachbarn sein wollen.

Die SPD im Unterbezirk Unna – Freundschaft!