NS-Zeitzeuge diskutiert mit Unnaer Jusos: Dr. Küsel berichtete wie es sich bei Nazis in echt anfühlte

Hans Küsel (vorne, Dritter von links) berichtete von seinen Erfahrungen in der Nazi-Zeit.

Unna. Das war ein beeindruckender Abend: Zu ihrer vergangenen Sitzung (4. Mai) konnten Unnas Jusos Dr. Hans Küsel begrüßen. Hans Küsel ist ein Zeitzeuge des Nationalsozialismus. Von zehn bis vierzehn Jahren war er ein „Pimpf“, ein Mitglied der Hitlerjugend.

Zweimal in der Woche trafen sich die Jugendlichen. Diese Treffen waren verpflichtend wie der Schulbesuch. Küsel berichtete von Lagerfeuern, gemeinsamen Sporttreiben und Singen. Allerdings stand auch immer die ideologische Erziehung der Jugendlichen auf dem Programm. Unter dem Titel „Beeinflussung und Beeinflussbarkeit“ berichtete Küsel gute zwei Stunden über seine Erfahrungen während des Krieges und in seiner späteren Kriegsgefangenschaft.

Freundlicherweise stellte die jüdische Gemeinde in Unna ihre Räumlichkeiten für den Vortrag zur Verfügung und nahm auch selbst mit Gemeindemitgliedern teil.

Doch Küsel erzählte nicht nur von seinen eigenen Erfahrungen, sondern versuchte auch auf die Zusammenhänge von Hitlers Machtergreifung und der damaligen gesellschaftlichen Lage einzugehen. Dazu ging Dr. Küsel auf die vielen verschiedenen Nazi-Organisationen ein und erläuterte ihre Bedeutungen für das Regime.

In der abschließenden Diskussion diskutierte die Gruppe die heutige Situation in Deutschland und machte deutlich, dass vor allem das Ausgrenzen von Minderheiten problematisch ist und sich durchaus Parallelen zu den Anfängen in Nationalsozialismus finden lassen. Außerdem erteilte die Gruppe dem zunehmenden Nationalismus eine klare Absage und sprach sich für ein weltoffenes Europa mit freien Grenzen aus.

Unnas Jusos waren sehr beeindruckt von Küsels Ausführungen. Sein persönlicher Bericht ging weit über das Wissen aus Geschichtsbüchern hinaus. Gleichzeitig war der Abend eine Mahnung für die Gegenwart. Unnas Jusos hoffen, dass Hans Küsel mit seinen Vorträgen noch andere Akteure der Kreisstadt erreicht.